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Lernmethoden für die Schule: Was wirklich hilft

Ratgeber · Merkkasten-Redaktion ·

Am besten lernst du, wenn du dich selbst abfragst und den Stoff über mehrere Tage verteilst. Markieren und mehrfaches Durchlesen fühlen sich gut an, bringen aber wenig.

Gezeichnete Karteikarten mit Bleistift und Sanduhr
Inhalt 7 Abschnitte
  1. Welche Lernmethoden wirklich helfen1
  2. Selbst abfragen statt durchlesen2
  3. Verteilt lernen statt pauken3
  4. Warum-Fragen, Selbsterklären, Mischen: Methoden mit mittlerem Nutzen4
  5. Bekannte Lernmethoden im Überblick5
  6. Warum Markieren und Wiederlesen wenig bringen6
  7. Gibt es Lerntypen?7

Welche Lernmethoden wirklich helfen

2013 haben fünf US-Forschende, darunter John Dunlosky, zehn verbreitete Lernmethoden verglichen. Sie haben dafür Hunderte Studien ausgewertet, meist mit Studierenden, teils auch mit Schulkindern. Bei den ersten beiden ist das Ergebnis klar: Sie helfen fast immer. Einige weitere helfen manchmal, und ausgerechnet die beliebtesten bringen am wenigsten. Die wichtigsten im Überblick:

MethodeWas du tustNutzen laut Studie
Selbst abfragenAufgaben lösen, Karteikarten, Wissen aus dem Kopf aufschreibenhoch
Verteilt lernenDen Stoff auf mehrere Tage aufteilenhoch
Warum-Fragen stellenZu jeder Aussage fragen: Warum ist das so?mittel
Sich selbst erklärenJeden Schritt in eigenen Worten begründenmittel
Aufgaben mischenVerschiedene Aufgabentypen abwechselnmittel
ZusammenfassenTexte in eigenen Worten kürzengering
MarkierenWichtiges unterstreichen oder anmalengering
WiederlesenDen Hefteintrag mehrmals durchlesengering

Selbst abfragen statt durchlesen

Hände halten eine Karteikarte über einem Stapel Karteikarten
KI-generiert

Die wirksamste Methode ist auch die unbequemste: Du holst das Wissen aktiv aus dem Gedächtnis, statt es nur noch einmal anzuschauen. Wenn du dich erfolgreich an etwas erinnerst, wird die Erinnerung meist stärker.

In einem bekannten Versuch von Henry Roediger und Jeffrey Karpicke haben Studierende einen Text gelesen. Die eine Gruppe hat ihn danach noch einmal gelesen, die andere hat aufgeschrieben, woran sie sich erinnert. Fünf Minuten später lag die Lesegruppe vorn. Eine Woche später konnte sich aber die Gruppe, die sich selbst abgefragt hatte, an deutlich mehr erinnern.

So geht Abfragen in der Praxis:

  • Karteikarten: vorne die Frage, hinten die Antwort. Erst antworten, dann umdrehen.
  • Leeres Blatt: Schreib alles auf, was du zu einem Thema weißt. Danach vergleichst du mit dem Heft und ergänzt in einer anderen Farbe, was gefehlt hat.
  • Übungsaufgaben: Rechne die Aufgaben aus dem Buch, ohne vorher ins Lösungsheft zu schauen. Danach vergleichst du mit den Lösungen und rechnest falsche Aufgaben noch einmal.
  • Erklären: Erklär das Thema einem Geschwisterkind oder deinen Eltern, ohne Spickzettel.

Dass es sich anstrengend anfühlt, ist kein schlechtes Zeichen. Genau diese Anstrengung macht die Erinnerung haltbar. Weißt du etwas gar nicht, schau nach und frag dich später noch einmal ab.

Verteilt lernen statt pauken

Aufgeschlagener Planer mit bunten Klebezetteln neben einer Tasse Tee
KI-generiert

Nicholas Cepeda und Kollegen haben 2006 über 300 Experimente zum Einprägen von Vokabeln, Wortlisten und Fakten ausgewertet. Ihr Ergebnis: Wer in Abständen lernt, behält mehr, vor allem wenn der Test erst nach Tagen oder Wochen kommt. Für die Schule heißt das zum Beispiel: Dreimal eine Stunde an verschiedenen Tagen bringt mehr als drei Stunden am Abend vor der Klassenarbeit.

Für dich heißt das: Fang früh an und lerne lieber kurz und oft. Wie du das planst, steht im Artikel Lernplan erstellen.

Warum-Fragen, Selbsterklären, Mischen: Methoden mit mittlerem Nutzen

Warum-Fragen stellen: Lies nicht nur „Pflanzen brauchen Licht“, sondern frag dich: Warum eigentlich? Wer die Antwort sucht, verknüpft das Neue mit dem, was er schon weiß.

Sich selbst erklären: Beim Lösen einer Matheaufgabe sagst du zu jedem Schritt, warum du ihn machst. So merkst du schnell, wo du etwas nur nachgemacht hast.

Aufgaben mischen: Statt zehn Dreisatz-Aufgaben hintereinander mischst du Dreisatz, Prozentrechnung und Flächenberechnung. Das ist anstrengender, aber du lernst zu erkennen, welche Methode zu welcher Aufgabe passt. Genau das brauchst du in der Klassenarbeit.

Bekannte Lernmethoden im Überblick

Viele Lernmethoden mit eigenem Namen sind Spielarten der Grundprinzipien von oben. Wenn du weißt, welches Prinzip dahintersteckt, kannst du besser einschätzen, wie viel sie bringen. Die dritte Spalte ist unsere Einordnung: Untersucht wurden in der Studie die Grundprinzipien, nicht diese Methoden selbst.

MethodeSo geht’sWas dahintersteckt
Karteikarten (Lernkartei)Frage vorne, Antwort hinten. Gewusste Karten wandern in ein Fach, das du seltener wiederholst.Abfragen und verteilt lernen: hoher Nutzen
BlurtingAlles, was du zu einem Thema weißt, auf ein leeres Blatt schreiben und dann mit dem Heft vergleichen.Abfragen: hoher Nutzen
Feynman-MethodeEin Thema so einfach erklären, dass ein jüngeres Kind es versteht. Wo du hängst, nachlesen.verwandt mit Sich-selbst-Erklären: mittlerer Nutzen
ProbeklausurAlte Aufgaben unter Prüfungsbedingungen lösen.Abfragen: hoher Nutzen
Pomodoro-TechnikKurze Lernblöcke, oft 25 Minuten, mit festen Pausen.Zeiteinteilung. Hilft beim Anfangen, ist aber selbst keine Lernmethode.
MindmapBegriffe rund um ein Thema verzweigt aufschreiben.Ähnlich wie Zusammenfassen: geringer Nutzen, außer du zeichnest sie aus dem Kopf und vergleichst danach.
EselsbrückenMerksprüche wie „Nie ohne Seife waschen“ für die Himmelsrichtungen.Merkhilfen: nützlich für Reihenfolgen und Listen, nicht für Verständnis.

Die Faustregel: Je mehr du bei einer Methode etwas aus dem Kopf abrufen musst, desto mehr bringt sie.

Warum Markieren und Wiederlesen wenig bringen

Beim zweiten oder dritten Durchlesen kommt dir alles bekannt vor. Dieses Gefühl verwechselst du leicht mit Können. Ob du den Stoff wirklich beherrschst, zeigt sich erst, wenn das Heft zu ist.

Markieren ist nicht verboten, und manche finden es hilfreich. Einen Lerneffekt zeigt die Forschung aber kaum, und es ersetzt nicht das Üben. Wenn du markierst, mach aus den markierten Stellen danach Fragen für deine Karteikarten.

Gibt es Lerntypen?

Vielleicht hast du schon gehört, dass jeder Mensch ein visueller, auditiver oder haptischer Lerntyp ist und danach lernen sollte. Dafür gibt es keine guten Belege. Mehr dazu im Artikel Lerntypen: Was die Forschung sagt.

Quellen

  1. Improving Students' Learning With Effective Learning Techniques (Dunlosky, Rawson, Marsh, Nathan, Willingham), Psychological Science in the Public Interest 14 (1), 2013
  2. Learning Techniques: What Works and What Doesn't, Association for Psychological Science
  3. Test-Enhanced Learning (Roediger, Karpicke), Psychological Science 17 (3), 2006
  4. Distributed Practice in Verbal Recall Tasks (Cepeda, Pashler, Vul, Wixted, Rohrer), Psychological Bulletin 132 (3), 2006

Erstellt mit KI-Unterstützung, Fakten gegen die genannten Quellen geprüft. Mehr dazu im KI-Hinweis und unter So entstehen unsere Seiten.