Oktettregel
Die Oktettregel besagt: Viele Hauptgruppenatome erreichen durch Abgabe, Aufnahme oder gemeinsames Nutzen von Elektronen acht Elektronen in ihrer äußeren Schale. Diese Edelgaskonfiguration gilt als besonders stabil. Für Wasserstoff und Helium reichen zwei Elektronen; außerdem gibt es weitere Ausnahmen.
Atome der Hauptgruppen streben eine äußere Schale mit acht Elektronen an, also vier Elektronenpaare. Wasserstoff und Helium kommen schon mit zwei Elektronen aus.
Was besagt die Oktettregel?
Die Oktettregel besagt, dass Atome der Hauptgruppen eine äußere Schale mit genau acht Elektronen anstreben. Diese äußere Schale heißt Valenzschale, ihre Elektronen heißen Valenz- oder Außenelektronen. Acht Elektronen bilden vier Elektronenpaare. Das Wort „Oktett“ kommt vom lateinischen octo, acht.
Die Idee veröffentlichte der Chemiker Gilbert Newton Lewis 1916, zusammen mit dem Konzept der Elektronenpaarbindung. Irving Langmuir baute den Begriff der kovalenten Bindung danach weiter aus.
Warum Atome die Edelgaskonfiguration anstreben
Atome streben die Edelgaskonfiguration an, weil dieser Zustand besonders stabil ist. Gemeint ist: Das Atom hat so viele Außenelektronen wie ein Edelgas, also meist acht. Die Edelgase selbst haben diesen Zustand schon und gehen deshalb kaum Verbindungen ein. Andere Atome erreichen ihn erst durch chemische Bindungen.
Wie Atome das Oktett erreichen
Abgeben, aufnehmen oder teilen!
In der Chemie gibt es zwei Wege zum Elektronenoktett:
| Weg | Was passiert | Bindungsart | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Elektronen übertragen | Ein Atom gibt Elektronen ab, ein anderes nimmt sie auf. Es entstehen Ionen. | Ionenbindung | Natriumchlorid |
| Elektronen teilen | Zwei Atome bilden gemeinsame Elektronenpaare, die zu beiden zählen. | Elektronenpaarbindung (kovalent) | Chlor, Wasser |
Metalle mit wenigen Außenelektronen geben diese meist ab. Nichtmetalle, denen nur wenige Elektronen fehlen, nehmen welche auf oder teilen sie.
Duplettregel bei Wasserstoff und Helium
Für Wasserstoff und Helium gilt statt der Oktettregel die Duplettregel. Ihre einzige Schale fasst höchstens zwei Elektronen. Helium hat diese zwei schon. Wasserstoff erreicht sie, indem es ein Elektronenpaar mit einem anderen Atom teilt.
Ausnahmen von der Oktettregel
Die Oktettregel ist eine Faustregel, kein Naturgesetz. Typische Ausnahmen lernst du vor allem in höheren Klassen kennen:
- Elektronenmangel: In Bortrifluorid (BF₃) ist das Boratom nur von sechs Valenzelektronen umgeben.
- Ungerade Elektronenzahl: Radikale sind Teilchen mit mindestens einem ungepaarten Elektron. Die Radikale Stickstoffmonoxid (NO, 11 Valenzelektronen) und Stickstoffdioxid (NO₂, 17 Valenzelektronen) können nicht an allen Atomen ein volles Oktett bilden.
- Oktettaufweitung (Hypervalenz): In Phosphorpentafluorid (PF₅) hat das Phosphoratom zehn, in Schwefelhexafluorid (SF₆) das Schwefelatom zwölf Valenzelektronen.
Für Komplexe der Übergangsmetalle gilt häufig eine ähnliche Regel mit mehr Elektronen, die 18-Elektronen-Regel.
Beispiele für die Oktettregel
Oktett durch Elektronenübertragung: Natriumchlorid
Natrium hat ein Außenelektron, Chlor hat sieben. Wie erreichen beide ein Oktett?
Natrium gibt sein einziges Außenelektron an Chlor ab. Danach ist die darunterliegende, volle Schale die äußerste. Chlor nimmt das Elektron auf und hat nun acht. Es entstehen die Ionen Na⁺ und Cl⁻.
Oktett durch ein gemeinsames Elektronenpaar: Chlor (Cl₂)
Zwei Chloratome mit je sieben Außenelektronen verbinden sich. Wie kommt jedes auf acht?
Jedes Atom steuert ein Elektron zu einem gemeinsamen Elektronenpaar bei. Dieses Paar zählt für beide Atome. So hat jedes Chloratom sieben eigene plus ein geteiltes Elektron, also acht.
Typische Fehler bei der Oktettregel
Auch Wasserstoff braucht acht Außenelektronen.
Für Wasserstoff und Helium gilt die Duplettregel: Sie haben höchstens zwei Außenelektronen.
Ein gemeinsames Elektronenpaar wird nur einem Atom zugerechnet.
Beim Zählen des Oktetts gehört ein bindendes Elektronenpaar zu beiden Atomen.
Die Oktettregel gilt ausnahmslos für alle Stoffe.
Es gibt Ausnahmen mit weniger als acht (BF₃) oder mehr als acht Elektronen (SF₆).
Aufgaben zur Oktettregel mit Lösungen
Versuch es erst selbst, dann vergleiche mit der Lösung.
Was besagt die Oktettregel in einem Satz?
Lösung zeigen zu Aufgabe 1
Hauptgruppenatome streben eine äußere Schale mit acht Elektronen an, also vier Elektronenpaare.
Warum hat das Wasserstoffmolekül H₂ kein Oktett, ist aber trotzdem stabil?
Lösung zeigen zu Aufgabe 2
Für Wasserstoff gilt die Duplettregel. Mit dem gemeinsamen Elektronenpaar hat jedes Atom zwei Elektronen. Mehr passen auf seine einzige Schale nicht.
Erfüllt das Boratom in Bortrifluorid (BF₃) die Oktettregel?
Lösung zeigen zu Aufgabe 3
Nein. Es ist nur von sechs Valenzelektronen umgeben. BF₃ ist ein Elektronenmangelmolekül.
Wie viele Valenzelektronen hat das Schwefelatom in SF₆, und wie nennt man das?
Lösung zeigen zu Aufgabe 4
Es hat zwölf Valenzelektronen, also mehr als acht. Man spricht von Hypervalenz oder Oktettaufweitung.
Verwandte Themen
- ChemieEdelgaseKlasse 8–9
- ChemieIonenbindungKlasse 8–9
Quellen
- Oktettregel: Definition, Duplettregel und Hypervalenz, Wikipedia, abgerufen am 19.10.2026
- LehrplanPLUS Gymnasium, Chemie 8: Einführung der Oktettregel, ISB Bayern, abgerufen am 19.10.2026
- LehrplanPLUS FOS, Chemie 11: Edelgasregel bei Valenzstrichformeln, ISB Bayern, abgerufen am 19.10.2026
- Die Oktettregel: Geschichte und Ausnahmen wie Radikale und Hypervalenz, Universität Siegen, abgerufen am 19.10.2026
- Die Regelbrecher: Ausnahmen von chemischen Elektronenregeln, scinexx.de, abgerufen am 19.10.2026
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