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Edelgase

Chemie · Klasse 8–9 · aktualisiert am

Zu den Edelgasen gehören Helium, Neon, Argon, Krypton, Xenon, Radon und das künstlich hergestellte Oganesson. Die sechs natürlichen Edelgase reagieren kaum mit anderen Stoffen und liegen bei Raumtemperatur als einatomige Gase vor. Die Eigenschaften von Oganesson sind noch kaum experimentell untersucht.

Edelgase stehen in der letzten Spalte des Periodensystems. Ihre voll besetzte Außenschale macht sie so reaktionsträge, dass sie als einzelne Atome vorkommen.

Was sind Edelgase? Stellung im Periodensystem

Edelgase sind die Elemente in der letzten Spalte ganz rechts im Periodensystem, der Gruppe 18. Dazu gehört auch das künstlich hergestellte Oganesson (Og). Im Folgenden geht es um die sechs natürlich vorkommenden Edelgase. Alle Edelgase stehen dort untereinander, weil ihre Atome eine Gemeinsamkeit haben: Die äußerste Elektronenschale ist voll besetzt. Daraus folgen fast alle ihre Eigenschaften.

Der Name passt gut. Wie ein „edles“ Metall, etwa Gold, reagiert ein Edelgas kaum mit anderen Stoffen.

Welche natürlichen Edelgase gibt es?

Es gibt sechs natürlich vorkommende Edelgase. Die Tabelle zeigt die sechs natürlichen Edelgase von oben nach unten im Periodensystem, mit Siedepunkt bei Normaldruck und Gasdichte bei 0 °C und Normaldruck.

EdelgasSymbolSiedepunktDichte (Gas)
HeliumHe−268,9 °C0,178 g/l
NeonNe−246,0 °C0,90 g/l
ArgonAr−185,7 °C1,78 g/l
KryptonKr−152,3 °C3,75 g/l
XenonXe−107,1 °C5,89 g/l
RadonRn−61,8 °C9,73 g/l

Von oben nach unten werden die Atome größer und schwerer. Deshalb steigen Siedepunkt und Dichte an.

Eigenschaften der Edelgase

Alle Edelgase haben einige gemeinsame Eigenschaften:

  • Gasförmig: Bei Raumtemperatur sind die sechs natürlichen Edelgase Gase. Helium hat mit −268,9 °C sogar den niedrigsten Siedepunkt aller Stoffe.
  • Einatomig: Edelgase bilden keine Moleküle. Sauerstoff kommt als O₂ vor, Argon dagegen als einzelne Ar-Atome.
  • Reaktionsträge: Sie gehen kaum chemische Reaktionen ein.
  • Teil der Luft: Argon macht etwa 0,934 % der trockenen Luft aus und ist nach Stickstoff und Sauerstoff ihr dritthäufigster Bestandteil. Neon, Helium, Krypton und Xenon kommen nur in Spuren vor.
  • Radon ist radioaktiv: Es entsteht beim Zerfall von Radium.

Warum sind Edelgase so reaktionsträge?

Volle Außenschale = zufriedenes Atom

Edelgase reagieren kaum, weil ihre Außenschale schon voll besetzt ist. Bei Neon, Argon und den schwereren Edelgasen sind das acht Außenelektronen, ein sogenanntes Oktett. Helium hat nur eine Schale, die mit zwei Elektronen voll ist.

Diese Edelgaskonfiguration ist ein besonders stabiler Zustand. Viele Atome können bei Reaktionen ebenfalls eine Edelgaskonfiguration erreichen: Sie geben Elektronen ab, nehmen welche auf oder teilen sie. So entstehen zum Beispiel Ionen bei der Ionenbindung. Ein Edelgasatom hat diesen Zustand schon. Es hat keinen Grund, Elektronen abzugeben, aufzunehmen oder sich mit einem zweiten Atom zu einem Molekül zu verbinden. Darum ist jedes Edelgas einatomig.

Warum Edelgase oft keine Elektronegativität haben

Die Elektronegativität gibt an, wie stark ein Atom in einer Bindung Elektronen zu sich zieht. Weil Edelgase kaum Bindungen eingehen, lässt sich dieser Wert nur schwer bestimmen. In vielen Periodensystemen steht bei ihnen deshalb kein Wert.

Ganz unreaktiv sind Edelgase aber nicht. 1962 stellte Neil Bartlett mit Xenonhexafluoroplatinat (XePtF₆) die erste Edelgasverbindung her.

Verwendung der Edelgase

Edelgase werden vor allem dort verwendet, wo ihre Reaktionsträgheit nützt: Sie umgeben Stoffe, die sonst mit Luft reagieren würden, und schützen sie so. Helium hat die geringste Dichte aller Edelgase und ist leichter als Luft. Deshalb steigen mit Helium gefüllte Ballons auf. Wegen seines extrem niedrigen Siedepunkts eignet sich flüssiges Helium außerdem zum Kühlen auf sehr tiefe Temperaturen.

Entdeckung der Edelgase

Die Edelgase wurden erst spät entdeckt, weil sie mit kaum etwas reagieren.

JahrEreignis
1868Janssen und Lockyer finden im Sonnenlicht eine unbekannte Spektrallinie: Helium.
1894Rayleigh und Ramsay isolieren Argon, das erste Edelgas auf der Erde.
1895Ramsay gewinnt Helium aus einem Uranerz.
1898Ramsay und Travers entdecken Krypton, Neon und Xenon in flüssiger Luft.
1900Friedrich Ernst Dorn entdeckt Radon.
1904Ramsay erhält den Nobelpreis für Chemie.
1962Bartlett stellt die erste Edelgasverbindung her.

Typische Missverständnisse über Edelgase

  • Edelgase reagieren überhaupt nicht.

    Sie sind reaktionsträge, nicht völlig unreaktiv. 1962 stellte Neil Bartlett mit einer Xenonverbindung die erste Edelgasverbindung her.

  • Edelgase bilden Moleküle wie He₂ oder Ar₂, so wie Sauerstoff O₂.

    Edelgase kommen einatomig vor. Ihre Außenschale ist schon voll, eine Bindung bringt ihnen nichts.

  • Alle Edelgase haben acht Außenelektronen.

    Helium hat nur zwei. Seine einzige Schale ist damit aber ebenfalls voll besetzt.

  • Edelgase sind in der Luft so selten, dass sie keine Rolle spielen.

    Argon macht etwa 0,934 % der trockenen Luft aus und ist ihr dritthäufigster Bestandteil.

Übungsaufgaben zu Edelgasen und Atombau

Versuch es erst selbst, dann vergleiche mit der Lösung.

  1. Welche Edelgase gibt es? Nenne alle natürlich vorkommenden mit Elementsymbol.

    Lösung zeigen zu Aufgabe 1

    Helium (He), Neon (Ne), Argon (Ar), Krypton (Kr), Xenon (Xe) und Radon (Rn).

  2. Sauerstoff kommt als O₂ vor. Warum gibt es kein Ar₂?

    Lösung zeigen zu Aufgabe 2

    Argon hat bereits eine voll besetzte Außenschale. Es muss keine Elektronen teilen, um einen stabilen Zustand zu erreichen. Deshalb bleibt es ein einzelnes Atom.

  3. Welches Edelgas hat den niedrigsten Siedepunkt und welches den höchsten?

    Lösung zeigen zu Aufgabe 3

    Helium siedet bei −268,9 °C, das ist der niedrigste Siedepunkt aller Stoffe. Radon hat mit −61,8 °C den höchsten Siedepunkt der Edelgase.

  4. Ein Natriumatom gibt ein Elektron ab und wird zum Natrium-Ion. Was hat das mit Edelgasen zu tun?

    Lösung zeigen zu Aufgabe 4

    Das Natrium-Ion hat danach dieselbe Elektronenanordnung wie das Edelgas Neon. Diese Edelgaskonfiguration ist besonders stabil. Die Elektronenabgabe allein benötigt jedoch Energie; ob eine Reaktion abläuft, hängt von der Energiebilanz der gesamten Reaktion ab.

  5. Stimmt der Satz „Edelgase gehen nie Verbindungen ein“?

    Lösung zeigen zu Aufgabe 5

    Nein. Unter besonderen Bedingungen reagieren vor allem die schweren Edelgase. Die erste Edelgasverbindung gelang 1962 mit Xenon.

Verwandte Themen

  1. ChemieIonenbindungKlasse 8–9

Quellen

  1. Edelgase: Eigenschaften, Vorkommen und Entdeckung (Lexikon der Chemie), Spektrum der Wissenschaft, abgerufen am 19.10.2026
  2. Edelgase: Entdeckung und Eigenschaften, chemie-schule.de, abgerufen am 19.10.2026
  3. Edelgase: Geschichte und Entdeckung von Krypton, Neon und Xenon, chemie.de, abgerufen am 19.10.2026
  4. William Ramsay: Isolierung von Helium aus Uranerz, chemie.de, abgerufen am 19.10.2026
  5. Argon: Geschichte der Entdeckung, periodensystem-online.de, abgerufen am 19.10.2026
  6. Datenblatt Edelgase: Anteile in der Luft, chemie.schule, abgerufen am 19.10.2026
  7. Exkurs: Edelgasverbindungen und Xenonhexafluoroplatinat, hep Verlag, abgerufen am 19.10.2026

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